Liebe Blogfreunde,
gestern fand auf RTL das Finale zum "Supertalent 2008" statt. Gewinner wurde aufgrund der Zuschauerabstimmung der behinderte 44-jährige Michael Hirte, dem die griffige Bezeichnung "Der Mann mit der Mundharmonika" zuerkannt wurde.
Dabei wurden die verbliebenen neun Anwärter auf den Sieg und somit auf den Preis von 100.000.- Euro vom Sender RTL in eklatanter Weise benachteiligt. Das Wort 'betrogen' dürfte der Sache noch mehr gerecht werden.
Nun werden viele meiner Blogleser sagen: «Wer sich diesen Sendemüll ansieht, darf sich dann auch nicht beklagen, wenn er enttäuscht wird. Gebildete und anspruchsvolle Menschen sehen sich so etwas eben erst gar nicht an.» ---
Ich halte das Konzept der Unterhaltungssendung für gut! Es geht im wesentlichen darum, dass Personen, die ein besonderes Talent zu besitzen meinen, die Möglichkeit haben ihr Können vor einer Jury und vor einem Millionenpublikum zu beweisen und dabei einen möglichst hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen und zusätzlich einen Geldpreis zu kassieren. Somit dient die Sendung einem vernünftigen Zweck: Positive Leitbilder für die Jugend! Leistung und Trainingsfleiss schaffen Zufriedenheit und Anerkennung und können sich auch noch lohnen.
Die Vielfalt der gezeigten Leistungen ist eindeutig ein Pluspunkt dieses Sendeformates. Im übrigen erwiesen sich manche auftretende Akteure nicht nur als Talente, sondern gelten bereits als wahre Meister ihres Faches. So dürfte zum Beispiel der begnadete Kugel-Jongleur Kelvin Kalvus aus Erfurt auch bei der jährlichen Gala der weltbesten Zirkusartisten in Monaco eine hervorragende Figur abgeben und vielleicht Anspruch auf den ersten Platz geltend machen. Aber auch der Trapez-Artist Christoph Haese stellte -neben anderen Künstlern- gestern erneut sein reifes Können unter Beweis.
Kritik: Zwar ist dem Sieger Michael Hirte, der mit seiner Mundharmoika gekonnt die Herzen der Menschen berührte, der Sieg ohne Zweifel voll und ganz zu gönnen! Hirte lebte vor seinen Auftritten bei "Das Supertalent" in ärmlichsten Verhältnissen. Er hatte vor Jahren einen Unfall erlitten, der sein Leben auf tragische Art und Weise veränderte.
Offenbar erkannten die Macher des Senders -und allen voran wohl Dieter Bohlen-, dass jede Menge Potential in dem bemitleidenswerten "Mann mit der Mundharmonika" steckt, welches sich trefflich vermarkten lässt. Deshalb wurde Hirte offenbar gezielt nach vorne geschoben - natürlich zum Nachteil der anderen Kandidaten.
Und das sind meine Vorwürfe der Manipulation:
• Wieder und wieder wurde während und im Vorfeld der Sendung die Story des schwer behinderten Mannes aufgezeigt und in Wort und Bild ausführlich erläutert. Sogar der Baum wurde im Fernsehen gezeigt, in den M. Hirte mit seinem LKW aufgefahren war.
• Michael Hirte wurde vom Sender RTL in die Sendung "Stern-TV" zu Günther Jauch geladen. Ausführlich wurde das Schicksal des Mannes beleuchtet und natürlich durfte er auch eine Kostprobe seines Könnens abgeben. - Dass alle anderen Kandidaten, die nicht zu Jauch geladen waren, auf diese Weise schwer benachteiligt wurden, versteht sich von selbst.
• Im entscheidenden Finale am 30.11.2008 durfte Hirte mit der vorteilhaften Startnummer zehn als letzter aller Kandidaten ins Rennen gehen. Ich bezweifle, dass das reiner Zufall war.
• Zum Ende des Auftrittes Hirte's hüllten dichter Konfetti-Regen und ein pyrotechnisches Spektakel den Künstler in eine Wolke der Begeisterung. Genau diese Zeremonie gilt aber als ein untrüglicher Hinweis für den besten Teilnehmer und sollte die anrufenden Zuschauer beeinflussen. - Kein anderer Kandidat war auch nur annähernd so aufwendig während seiner Darbietung gewürdigt worden.
• Noch während die Fernsehzuschauer mit Telefon abstimmen konnten, erklärte Dieter Bohlen, dass Michael Hirte es verdient hätte, Gesamtsieger zu werden und er drückte dabei nochmals kräftig auf die Tränendrüse der Zuschauer, die sich dieser einseitigen Bevorzugung eines Kandidaten nicht entziehen konnten.
Meine Meinung: Wenn die Sendung heißen würde "Spendengala für arme Künstler", dann wäre die Wahl vielleicht richtig gewesen. Es ist jedoch ein inakzeptabler Vorgang, wenn das Ergebnis eines Wettbewerbes -wie geschehen- hemmungslos manipuliert wird.
Die Jury - als DER Schwachpunkt der Sendung
• Bruce Darnell -mit minimalem deutschsprachigen Wortschatz ausgestattet- war bemüht, sich als Selbstdarsteller mit peinlichen Einlagen zu profilieren. Eine katastrophale Fehlbesetzung! Offenbar haben die Macher der Sendung mit seiner Wahl zum Jurymitglied darauf spekuliert, dass er mit seiner Kasper-Show möglichst viele Zuschauer vor den Fernseher lockt, die auf den ganz großen Eklat spekulieren. Einer der zahlreichen Tiefpunkte Darnell's Auftrittes war das tränenreiche Geständnis des 51-jährigen Jurymitgliedes an die 14 jähr. Sängerin Vanessa Krasniqi. "Vanessa! Vanessa, isch liebö Dich!", schluchzte der Mann.
• Eine geradezu unglaublich schwache Leistung bot das weibliche Mitglied der Jury Sylvie van der Vaart mit dem makellosen Gebiss und dem unangenehm meckernden Lachen: Kaum der deutschen Sprache mächtig, hatte sie überwiegend panische Angst Fehler zu begehen. Deshalb drosch sie entweder hohle Phrasen oder schloss sich sicherheitshalber der Meinung Bohlen's an.
• Und unser 'Titan' Dieter Bohlen? Er gab sich so, wie man ihn eben kennt. Man merkte ihm an, dass die Last des Gelingens der Sendung hauptsächlich auf seinen Schultern lag. Schwer anzukreiden ist ihm, dass er als Jurymitglied den späteren Sieger in unzulässiger Weise bevorzugte. - Das wäre etwa so, als wenn ein Schiedsrichter den Ball persönlich in die Hand nehmen und dann ins Tor des Gegners seines bevorzugten Teams einwerfen würde. Ich wäre übrigens nicht erstaunt, wenn Bohlen zusammen mit dem vorgesehenen Sieger "Der Mann mit der Mundharmonika" eine Weihnachts-CD zuvor bereits im Studio vorproduziert hätte... «Sti-hille Naaacht, gu-huuute Naaaaacht.» --- Peter Broell